Wieder angekommen …

Da bin ich wieder, nach dreieinhalb Monaten Weltreise gut in München angekommen. Hier kommt mir jetzt alles ein wenig ruhiger vor, aber ich habe München noch wiedererkannt ;-) . Fragt mich nicht, was DAS beste Erlebnis war. Das gibt es nicht, dazu waren es einfach zu viele und zu unterschiedliche Eindrücke, die auch erst alle noch verarbeitet werden wollen. Genauso geht es mir mit den etwas mehr als vierzehntausend Bildern, die ich in dieser Zeit gemacht habe. Eine schöne Zeit war’s!



Posted from Munich, Bayern, Germany.

Goodbye India

In 111 Tagen um die Welt, eine Reise voller neuer faszinierender Eindrücke geht zu Ende, Eindrücke die sicher noch eine Weile nachwirken werden. Ein letzter Streifzug mit dem Taxi durch Mumbai in der noch angenehm warmen Morgenluft. Fischgeruch weht vom Hafen herüber, neben einem der kolonialen Gebäude sitzt friedlich eine Kuh, ein Barbier bedient auf der Straße einen seiner ersten Kunden. In der üblichen unkonventionellen Fahrweise geht es vorbei an bunten Tempeln und Moscheen, mittlerweile bekannten Plätzen, luxuriösen Hochhäusern und nicht ganz so modernen Wohnhäusern. Ich habe dieses Land mit seinen freundlichen und farbenfrohen Menschen richtig liebgewonnen.

Jetzt freue ich mich aber auch wieder auf mein normales Leben. Vielleicht gibts in den nächsten Tagen noch einen kleinen Nachschlag an Fotos oder kuriosen Eindrücken, wenn ich feststellen sollte, dass ich Deutschland nicht mehr verstehe ;-) .

अलविदा भारत.
Goodbye India.

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Unterwegs in einer Nussschale

Der Monsun kommt, die Europäer gehen und werden durch Besucher aus dem mittleren Osten abgelöst, bei denen es jetzt zu heiß wird. Drum macht sich Raj, mein überaus freundlicher Gastwirt hier in Mumbai, auch nicht die Sorgen, die sich die Guides auf der Jagd nach den letzten westlichen Touristen der Saison machen. Einer von denen, die ich schon mal abgewimmelt hatte, hat mich gestern noch einmal abgefangen. Hartnäckig die Burschen.

Neben einem Ausflug zu den Mahalaxmi Dhobi Ghat, wo hunderte Menschen täglich tausende Kilogramm mumbaier Wäsche unter freiem Himmel mit der Hand waschen, zog es mich zu den einladenden Bücherständen an der Flora Fountain, wo Bücher der Größe nach sortiert zu zum Teil mannshohen Wänden aufgetürmt werden, um dort nach ein paar indienspezifischen Schätzen zu suchen. Nachdem Susanne in Bangalore ein Buch über das Heiraten gefunden hatte, habe ich jetzt eines über die Rolle des indischen Mannes ausgegraben, und noch ein paar andere Bücher, die einen tieferen Einblick in das indische Leben zu geben versprechen.

Zum Abschluss bin ich heute mit der Fähre, oder eher einer zu groß geratenen Nussschale, zu den Elephanta Caves gefahren, die auf einer Insel im Hafen von Mumbai liegen. Von dort aus bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie groß Mumbai eigentlich ist. Beschränken sich die Wolkenkratzer in Städten wie New York oder Singapur auf relativ kleine Flächen, so zieht sich die Skyline hier über viele Kilometer hin. Und überall entstehen neue Wolkenkratzer.

Für einen kleinen Eindruck gibts ein paar Bilder aus Mumbai in der Nordindien-Galerie. Und weiter unten findet Ihr noch ein paar Fundstücke aus der heutigen Zeitung. Dr. Sommer heißt hier Dr. Mahinder Watsa ;-) .

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Bücherstand an der Flora Fountain

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Elephanta Caves

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Luxus Hotel Taj Mahal Palace

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Gekaufte Jobs

Auch hier in Mumbai ist zu spüren, dass nicht die Hauptreisezeit ist. Alles bereitet sich auf den nahenden Monsun vor. Hin und wieder regnete es und Regenschirme gehen weg wie warme Semmeln. Und die Guides gehen förmlich auf die Jagd nach den verbleibenden westlichen Touristen. Das ist ein wenig anstrengend, zumal ich es bevorzuge, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Andererseits sin die kurzen Gespräche immer aber auch eine Quelle um zu erfahren, wie die Menschen hier leben.
Keiner von denen, mit dem ich gesprochen habe, ist aus gebürtig aus Mumbai. Alle sind hierher gekommen, um Arbeit zu finden. Mayur, etwa vierzig, erzählte mir, dass fünfzig Prozent der 18 Mio Bewohner in Slums leben würden, so wie er auch. Er lernt gerade Deutsch, gesponsert von einem Freund aus Frankfurt. Ein wenig ist daran die Hoffnung geknüpft, vielleicht mal in Deutschland arbeiten zu können. Ajay, ein anderer Guide eher um die 25 Jahre alt, interessierte eher, wieviele Freundinnen ich habe, er habe drei. Bei ihm merkte man, dass die Anschläge von 2008 hier in Mumbai noch nachwirkte. Demnach seien alle Pakistani böse Menschen, auch wenn das Land an sich sicher schön sei.

Die Nachwirkungen sind auch daran zu sehen, dass eine sehr hohe Polizeipräsenz herrscht. Wichtige Gebäude und Plätze wie das Gericht oder die großen Bahnhöfe werden von bewaffneten Kräften bewacht und die Polizei ist dort mit gepanzerten Gefährten unterwegs. Doch das Leben nimmt nichts desto trotz seinen gewohnten Gang.

Die Ecke von Mumbai, in der ich abgestiegen bin, ist deutlich der Einfluss der Briten in der Architektur zu spüren. Die Läden sind eher auf die reicheren Inder und Touristen ausgelegt, es gibt breite Straßen und es ist relativ sauber. Doch es gibt auch andere Ecken, wo man das indische Leben spürt, wie das Viertel Marine Lines. Dort wohnen, leben und handeln die Menschen, dort sitzen Malen mit Eimer und Pinsel an der Kreuzung und warten auf den nächsten Job und dort kreuzt auch mal eine Kuh den Weg. Das sind die Ecken, die mir sympathischer sind, weil man dort in das Leben eintauchen kann, ohne das Gefühl zu haben, die Menschen sähen nur einen Goldesel in Dir.

Zum Abend hin versammeln sich viele Inder an der Küste, um das angenehme Klima und den kühlen Wind zu genießen. Dort kam ich mit zwei jungschen Kerlen ins Gespräch, die als Ingenieure im Schiffsbau arbeiteten. Was mich etwas überrascht hat, einer der beiden hieß Napoleon. Sein Vater fand den so toll!

Auf dem Heimweg hatte ich eine Begegnung mit einem etwa 40 jährigen Mann aus Ajanta, der wissen wollte, ob bei uns der Verkehr auch so schlimm sei. Es gäbe zwar viele Regeln, aber keine halte sich daran. Er war für ein Bewerbungsgespräch in Mumbai. Nachdem er viele Jahre in Mumbai in einer Pharmafirma gearbeitet hatte, war sein Job vor sechs Monaten einem Firmenzusammenschluss zum Opfer gefallen. Seitdem schlägt er sich als Tageslöhner durch. Entweder, so erzählte er, man bezahle um einen Job zu bekommen, oder man müsse sehr gut sein. Am Anfang hatten alle gesagt, wer einen Schulabschluss hat, bekommt einen Job. Als er fertig war, hieß, wer studiert hat, bekommt einen Job. Mittlerweile ist auch hier von Promotion die Rede. Aber er war zuversichtlich, da es schon sein zweites Gespräch bei der Firma war, und er will mir eine Mail schreiben, wenn es geklappt hat!

Gestern habe ich dann mal extra für Dich, Jörg, den Selbstversuch gewagt und bin in einen McDonalds eingekehrt ;-) . Sieht aus, wie man es erwartet. Der Security-Mann am Eingang ist vielleicht ungewohnt. Der große Unterschied war tatsächlich das Menü, keine Heilige Kuh und auch nicht der manchmal in Indien als Ersatz genutzte Wasserbüffel. Es gibt nur Chicken-Burger und viel Vegetarisches wie den McSpicy Paneer, eine Art panierter Käse mit scharfer Sauce im Brötchen. Der Spaß mit Cola und Pommes kostet 162 Rupien. Der einfache Inder kann sich das nicht leisten, dafür bin ich mit Susanne schon zu zweit satt geworden und hatte noch einige Rupien übrig. Man kann aber auch allein locker das vierfache allein ausgeben, wenn man sich in einem teureren Restaurant noch zwei Bierchen zu Essen gönnt.

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Marine Drive in Mumbai

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Selbstversuch McDonalds

Posted from Mumbai, Maharashtra, India.

Auf nach Mumbai

Gestern wollte ich noch einen kleinen Ausflug in die Altstadt von Amritsar machen, ein paar Kleinigkeiten wie das Denkmal zum Massaker von 1919 hatte ich noch nicht gesehen. Kaum dass ich das Hotel verlassen hatte, brach ein kleines Gewitter los. Nächstbeste Gelegenheit mich unterzustellen, waren ein paar löchrige Planen am Rande der stark befahrenen Hauptstraße, wo ein paar Motorräder und Fahrräder parkten. Beim näheren Hinsehen entdeckte ich links und rechts zwei Tische mit Gebissen und Zahnabdrücken darauf, darüber jeweils handgemalte Werbebanner in Hindi mit Abbildungen von Gebissen. Ich war in die Praxis dreier Zahnärzte eingedrungen. Etwas weiter war einer von ihnen gerade am praktizieren. Nebendran saß ein wartender Patient. Derweil polterte hinter der Mauer ein Zug vorbei, sodass der Boden vibrierte.

Neben einem eindrucksvollen Besuch des Goldenen Tempels in der Dämmerung während eines Gebets habe ich gestern noch die Gelegenheit genutzt, ein paar Bilder aus Chandigarh und Amritsar hochzuladen. Jetzt geht es weiter nach Mumbai, der letzten Station meiner Reise, wo ich noch ein paar Tage verbringen werde.

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Hahnenkampf an der pakistanischen Grenze

Tag zwei in Amritsar, der Stadt, die wegen des Goldenen Tempels ähnlich berühmt ist, wie Agra mit dem Taj Mahal. Entsprechend touristisch geht es hier auch zu, wenn auch hier nur wenige westliche Touristen unterwegs sind.

Der Goldene Tempel ist ein Tempel der Sikhs, eine riesige Tempelanlage mit einem großen Pool, in dessen Mitte der eigentliche Goldene Tempel in all seinem Glanz steht. Um den Pool herum pilgern Gläubige und Touristen gleichermaßen, einige nehmen ein Bad in dem heiligen Gewässer, viele liegen unter den schattigen Säulengängen und machen ein Schläfchen, während in der ganzen Anlage beruhigende Gesänge erklingen, die aus dem Innern des Tempels live übertragen werden. Es ist auch zu verlockend. Der Marmor um den Pool herum ist so heiß, dass man sich die Füße verbrennt, sobald man den Schatten oder die Teppich verlässt. Es ist hier wieder spannend, die Leute zu beobachten. Hier im Norden sind viele Männer mit Turban und Bart unterwegs, rund um dem Tempel einige mit rituellen Dolchen und Lanzen, wie ich es sonst nur aus Märchenfilmen kenne.

Wandert man vom Tempel aus ein wenig durch die Altstadt, so entdeckt man viel prunkvolle Häuser zum Teil mit schönen Malereien. Der Charakter ist ähnlich dem in Old Delhi, jedoch sind die Häuser oft besser erhalten. In Richtung Nordwesten stößt man irgendwann auf den Sri Durgiana Tempel und erlebt ein Déjà-vu: noch ein goldener Tempel, nur etwas kleiner und die Anlage drum herum ist nicht ganz so prunkvoll. Die hinduistische Version des Goldenen Tempels war weniger stark besucht, aber ebenfalls beeindruckend!

In der Nähe entdeckte ich hinter einem Tor einen großen Platz mit zahlreichen rechteckigen Feuerstellen, auf einigen brannte es noch. Auf einer wurde gerade Holz gestapelt und eine größere Gruppe Menschen war darum versammelt, bis das Feuer entzündet wurde. Ich war einem Krematorium gelandet.

Heute Nachmittag nahm ich gemeinsam Ritesh zur Abwechslung an einer vom Hotel organisierten Tour teil. Ritesh ist Inder aus Bangalore, der zur Zeit als Arzt bei der Armee in ein Fallschirmspringer-Einheit arbeitet. Sein Traum ist, in zwei Jahren nach der Armee ein Zusatzstudium zu machen und dann bei den Ärzten ohne Grenzen zu arbeiten. Unser erste Weg führte und in den Mata Tempel, einen Tempel wie ich ihn bisher noch nicht gesehen hatte. Durch den Tempel führt ein Pfad, der einer Höhle nachempfunden ist und über verwinkelte Treppen, durch Grotten, einen kleinen knöcheltiefen Kanal und Spiegelsäle an zahlreichen Gottheiten vorbeiführt. Ein kleines heiliges Disneyland?

Weiter ging’s zur im Reiseführer angepriesenen Border Closing Ceremony an der pakistanischen Grenze. Ich hatte nicht gedacht, dass es sich um ein solches Volksfest handelt. Tausende oder gar zehntausende Inder drängelten die letzten paar hundert Meter zu den Tribünen an dem Grenztor, in der Hoffnung noch einen guten Platz zu bekommen. Das soll jeden Tag so sein. Fliegende Händler verkauften Getränke, DVDs von der Zeremonie, Poppkorn und Knabberzeug sowie indische Winkelemente (Wimpel). Anderthalb Stunden vor Beginn war bereits alles gefüllt, bis auf die Tribünen für die VIP und die Ausländer. Bald darauf wurden laut indische Hits gespielt und die Masse angeheizt. Kinder und einige Erwachsene durften wie im Staffellauf mit erhobener indischer Fahne das letzte Stück bis zum Grenztor und zurück rennen. Später wurde zu den indischen Hits getanzt. Spannend und bewegend, den indischen Nationalstolz auf diese Weise miterleben zu dürfen. Die pakistanischen Tribünen füllten sich nur langsam und wurden auch nicht ganz so voll. Etwas später startete auch dort das Gegenprogramm. Höhepunkt ist die militärische Zeremonie mit Trompetenklängen, Marschieren, Fahnen einholen und zu guter Letzt Schließen der Tore auf beiden Seiten. Das gegenseitige Gepose unmittelbar am Grenztor erinnerte dabei stark an einen Hahnenkampf (Liebe Inder, nehmt mir den Vergleich bitte nicht übel!), zum beide Seiten ein Kopfbedeckung tragen, die eine gewisse Ähnlichkeit zu einem Hahnenkamm hat. Auf der Tribüne von uns Ausländern war ein Schmunzeln zu entdecken, die Inder waren begeistert! Wir haben die Inder fotografiert, die Inder haben uns fotografiert und alle gemeinsam das Spektakel der Grenzsoldaten!

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Posted from Amritsar, Punjab, India.

Stadt ohne Kühe

Ich bin wieder mit dem Zug unterwegs. Es ist reizvoll, die Landschaft auf diese Weise vorüberziehen zu lassen und zu reisen, wie die Einheimischen es tun. Gerade habe ich Chandigarh hinter mir gelassen, eine Stadt die nicht ganz in das Bild der anderen indischen Städte passt, die ich bisher gesehen habe. Am ehesten erinnert Chandigarh noch an Neu Delhi. Nicht nur, dass ich nicht eine einzige Kuh oder Ziege habe über die Straßen laufen sehen, diese Stadt ist auf dem Reißbrett entstanden und verfügt über breite Straßen, die die Stadt in durchnummerierte Sektoren unterteilt, und viele Grün entlang der Straßen sowie in zahlreichen Parks. Das führt auch dazu, dass die Architektur hier ein wenig in den Hintergrund rückt. Vielleicht hab ich auch deshalb, ebenfalls untypisch, nicht einen Tempel oder eine Moschee entdeckt.

Highlight der Stadt ist der Rock Garden, von dem der Reiseführer sehr anschaulich schreibt, ihn zu betreten sei wie “falling down a rabbit hole into the labyrinth of a man’s mind”. Und da ist etwas dran. Durch niedrige Torbögen, unter denen nur Kinder sich nicht ducken müssen, gelangt man von einem Garten in den nächsten des Labyrinths. Hier wurde eine zauberhafte Welt aus Steinen, Porzellan und vielen anderen Materialien geschaffen, die zum Entdecken und Verweilen einlädt. Man kommt vorbei an Wasserfällen, Miniaturdörfern und Kolonien aus kleinen Porzellanfiguren, die die Tierwelt und Menschen unterschiedlicher Kulturen hier im Land darstellen. Und auch hier wieder neugierige Inder, die sich über ein Foto mit mir freuen :-) .

In Sektor 17 befindet sich das Zentrum, ein fast schon westlich anmutendes Shopping-Paradies, in dem lauter bekannt Marken vertreten sind. Aber es gibt sie doch, die Kleinigkeiten, die einen daran erinnern, das man in Indien unterwegs ist: die vielen Schuhputzer, die jungen Männer mit ihrer mobilen Teeküche, die Barbiere auf der Straße, denen eine Wand oder ein Baum für den Spiegel sowie Tisch und Stuhl davor genug ist, die Fahrrad- und Auto-Rikshaws. Und dann habe ich noch etwas Neues entdeckt. Im Säulengang eines grauen Neubaus hatten zahlreiche Notare ihre Tische mit ihren Schreibmaschinen aufgebaut, um Beglaubigungen und dergleichen auszustellen. Einer von ihnen sprach mich neugierig an, ein Professor für Musik in Rente, der jetzt als Notar sein Lebensabend bestreitet.

P.S.: Was für ein Luxus, die Indian Railways serviert auf einigen Strecken offensichtlich sogar ein Abendessen. So ist Bahnfahren fast wie Fliegen.

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Posted from Chandigarh, Chandigarh, India.

Tätowierer am Ufer des Ganges

Von Haridwar etwas mehr als 20 Kilometer stromaufwärts liegt Rishikesh, berühmt als Stadt der Ashrams und des Yoga und berühmt, weil hier 1968 die Beatles in einem der Ashrams zu Gast waren und eine kreative Schaffensphase hatten.

Dorthin verschlug es mich gestern. In Rishikesh war es genauso heiß und staubig in der Luft, wie in Haridwar. Erst ein kurzes Gewitter brachte eine kurze Abkühlung und eine etwas klarere Sicht auf die Hügel, die den Himalaya einläuten. Über eine riesige Hängebrücke gelangt man mit tausenden anderen in den Bereich der Stadt, wo die meisten Ashrams zu finden sind. Überall hängen Plakate mit Gurus, die Meditation, Yoga und Wellness in den unterschiedlichsten Formen anbieten. Vor den Ashrams sind die Treppen zum Ganges zum Teil sehr großzügig mit Götterbildern ausgeschmückt. Alles, auch der Basar entlang des Ganges, wirkt stark kommerzialisiert. Hier habe ich wieder mehr westlich Touristen gesehen, hauptsächlich Frauen, von denen vermutlich einige für einige Zeit in einem der Ashrams leben.

Auf dem Rückweg bekam ich dann einmal mehr zu spüren, wie warm es hier gerade ist. Selbst der Fahrtwind in der offenen Auto-Rickshaw blies mir heiß ins Gesicht. Doch habe ich mittlerweile daran gewöhnt und meide jetzt sogar vorsichtshalber Klimaanlagen, um nicht wieder eine Erkältung zu bekommen. Ich werde frieren, wenn ich in den deutschen Sommer zurückkomme ;-) .

Nachdem ich gestern Abend die Züge für meine weitere Reise in Richtung Amritsar gebucht und einige neue Bilder aus Haridwar für Euch hochgeladen habe, bin ich den heutigen Tag mit einem kleinen Spaziergang entlang des Ganges eher ruhig angegangen. Heute waren nicht ganz so viele Menschen an den Ghats unterwegs. Gerade als ich einen Jungen fotografieren wollte, der auf lauter ausgebreiteten Skizzen sitzend einen Mann mit einem kleinen Gerät tätowierte, das über ein dünnes Kabel mit einem Koffer verbunden war, fingen mich zwei Jungs ab, die auch von mir fotografiert werden wollten. Schnell wurden es mehr. Erst nur die Familie, Mütter und Geschwister, dann ein paar weitere Jungen und Mädchen und ein paar Halbstarke, bis sich eine große Traube um mich gebildet hatte und ich mich dem Ganzen irgendwann entzog, weil es mit ein klein wenig zu viel wurde.

Für den Tätowierer muss ich wohl nochmal losziehen, dafür habe ich jetzt ein paar andere schöne Bilder von den Menschen hier machen können und bin am Abend noch einmal unterwegs gewesen, um das Lichterspektakel am Ganges noch einmal an anderer Stelle zu erleben.



Posted from Haridwar, Uttarakhand, India.

Heilige Mutter Ganges

Auf zum Ganges nach Haridwar, zur Abwechslung mal wieder mit dem Bus. Mach ich es mir mal einfach, dachte ich mir, und nehme ein Tuck-Tuck. Der Fahrer fragt neugierig nach dem woher und wohin, nimmt derweil irgendwelche Schleichwege. Dann sagte er irgendetwas von “Ticket Check Office” und hielt wenig später irgendwo, nur nicht am Kashmiri Gate und wiederholte das Thema “Ticket Check”. Davon hatte ich gelesen: eine der Maschen, um Touristen das Geld abzuknüpfen; das Ticket checken gegen hohe Gebühren, obwohl mit dem alles in Ordnung ist. Und so machte ich ihm und dann auch einem hinzu geeilten anderen Mann klar, das ich das nicht das erste Mal so gebucht hätte und er mich einfach ans vereinbarte Ziel bringen solle, mein Ticket nicht geprüft werden müsse und ich ggf. einen möglichen Fehler in Kauf nehmen würde. Der Fahrer wollte mich dann nicht mehr zum vereinbarten Ziel bringen. Stattdessen organisierte er einen anderen Fahrer und nannte dem einen überhöhten Preis, zu dem dieser mich dann auch nur zum Bus fahren wollte.

Deren Pech, dass wir in der Nähe einer Metrostation waren, mein Glück, dass ich eine dreiviertel Stunde Reserve eingeplant hatte. In der Metro dann Rushhour und Gedränge, jeder Zentimeter wird genutzt und es geht vorwärts. Am Busbahnhof fragten mich dann gezielt zwei junge Männer, ob ich mit dem AC-Bus nach Haridwar wolle? Meine Nasenspitze, sieht man mir das an” Hinterherlaufen und vertrauen, gerade nach dem letzten Erlebnis? Die Zeit wurde knapp. OK, zur Not findet sich schon irgendwo ein Hotel … Ich hätte mich nie so schnell zum richtigen Bus durchfragen können, wie ich dann im Zickzack hingeführt wurde, ohne das jemand Trinkgeld wollte.

Dass der Bus dann schon voll war und ich fast zwei Stunden später losgekommen bin, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich bin dort, wo ich hinwollte und hatte in der Pause ein nettes Gespräch mit dem Architekten Satendra aus Rajasthan, der mir schließlich auch seine beiden Mobil-Nummern gab, damit ich ihn besuchen könne, wenn ich mal wieder nach Indien komme :-) .

In Haridwar spürt man den Bann des Ganges. Tausende Menschen pilgerten tagsüber zu den Ghats, den Treppen am Flussufer, die sich hier über mehrere Kilometer entlang eines Kanals erstrecken. Die Menschen hielten inne, beteten, badeten, wuschen sich und füllten das Wasser des heiligen Flusses in Flaschen und Kanistern ab, die es überall zu kaufen gab. Ich habe nur ein wenig die Füße ins angenehm kühle Nass gehalten, während es auch hier wieder über 40 Grad heiß war. Es erinnerte alles ein wenig an Jahrmarkt. Als es dunkel wurde, setzten einige von ihnen brennende Lichter auf dem Kanal aus. Eine faszinierend Stimmung und spannend, die vielen Menschen zu beobachten, darunter einige bunte Vögel, von denen ich sonst nicht so viele auf einem Haufen gesehen habe. Nur westliche Touristen habe ich heute so gut wie keine gesehen.

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Posted from Haridwar, Uttarakhand, India.

Mount Everest am Horizont

Der Plan scheint aufgegangen zu sein: ein Fensterplatz zur Ostseite wurde mit einer fantastischen Aussicht über den Himalaya belohnt. Hier und da erhoben sich ein paar markante Berge über die anderen; in weiter Ferne gen Osten dann auch eine imposante Dreierformation. Könnte das der Mount Everest sein? Meine ersten Recherchen scheinen das zu bestätigen …

Die Ankunft in Delhi, mittlerweile die Dritte, hatte schon etwas Vertrautes. Nur noch etwas wärmer ist es als die letzten beiden Male, über 44 Grad im Schatten. Mit einem gemächlichen Streifzug durch die engen, schattigen Gassen von Old Delhi, abseits der Touristen-Routen lässt sich aber auch das aushalten. Durch eine Einladung zum Chai von einem freundlichen Ladenbesitzer und ein kleines, durch die Sprachbarriere etwas begrenztes Gespräch wurde dieser Bummel zu einem besonders netten Erlebnis, das ich mit ein paar frittierten Leckereien abrundete.

Heute hat es geklappt, dass ich ein wenig zusammen mit Saskia durch Old Delhi ziehe. Auf diese Weise habe ich eine paar neue Ecken und ein sehr leckeres Restaurant kennengelernt, das für sein Kebabs weltberühmt ist. Und Saskia hat das erste Mal seit sie hier lebt live ein paar Ohrenputzer gesehen. Wenn man weiß, wonach man gucken muss (rote Kappe oder roter Turban, aus dem ein oder mehrere Wattestäbchen hervorschauen), und darauf achtet, kann man hier an belebten Plätzen plötzlich einige davon entdecken. Gestern bekam ich sogar eine Offerte von einem. Ich würde sogar einen Neukundenrabatt bekommen. Ich habe dankend abgelehnt ;-) .

Fuer alle Neugierigen gibt es ab sofort ein paar Bilder vom Trekking in Ladakh.


Mount Everest (?)


Einladung zum Tee


Frittierte Spezialitaeten


Ohrenputzer


Ohrenputzer bei der Arbeit

Posted from New Delhi, Delhi, India.